Erschienen im «Bieler Tagblatt» vom 24.1.2018

Am Erlebnisparcours konnten die Läufer nicht nur auf Tipps von Matthias Klotz (links mit oranger Jacke) zurückgreifen. (Bild: Patrick Weyeneth)

 

Der Bieler Matthias Klotz hat den ersten Erlebnisparcours «Night run Biel – day zero» organisiert. Auf einem Postenlauf gabs häppchenweise Tipps zur 100-km-Laufstrecke.

Patric Schindler

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung. Läuferinnen und Läufer, die 52 Wochen pro Jahr draussen trainieren, wissen das schon lange. Und jene Jogger, denen das bislang noch nicht bewusst war, sind seit letzten Samstag um eine Erfahrung reicher. Bei äusserst schlechten Wetterverhältnissen (es regnete und windete permanent) musste der erste Erlebnisparcours

«Night run Biel – day zero» vom ursprünglich geplanten Standort, dem Bieler Strandbad, auf den Rasen beim Madretscher Primarschulhaus verschoben werden. So konnte der 100-km-Minilauf in einer abgespeckten Form doch noch ausgetragen werden. Unter der Leitung des Bieler 100-km-Läufers und Coachs Matthias Klotz erlebten die Teilnehmer Erlebnislauf, Halbmarathon, Ultramarathon oder die 100 km in einer Art Postenlauf im Miniformat.

 

Gehen statt sitzen

Erfahrene 100-km-Läufer, Fachpersonen aus Physio, Ernährung, Coaching und Massage standen den Teilnehmern Red und Antwort. Was gilt es beim Ho-Chi-Minh-Pfad zu beachten? Wie viel und was soll ein Läufer unterwegs essen? Welches Tempo soll man von Beginn weg bei einem 100-km-Lauf anschlagen? Dies ist nur eine kleine Auswahl von zahlreichen Fragen. «Es war auch für mich interessant, den acht Fachpersonen zuzuhören, wie sie die spezifischen Fragen der Teilnehmer beantworteten», sagt Matthias Klotz, der seit zehn Jahren Seminare organisiert. «Ich wollte nun etwas anderes ausprobieren. Statt dass die Teilnehmer Referenten beim Sitzen zuhören, sollen sie einen Parcours ablaufen, der alle Teilstrecken der Bieler Lauftage in Miniaturform abbil- det. Ihre Fragen werden auf dem Parcours direkt beantwortet», sagt Klotz.

«Night run Biel – day zero». Für was steht der Tag null? «Es soll den Auftakt ins Jahr der Bieler Lauftage symbolisieren», meint der Coach. Es könne auch als Startschuss für die Vorbereitung auf einer der zahlreichen Strecken innerhalb des 100-km-Laufes angesehen werden. Und dieses Mal werden die Bieler Lauftage unter einem ganz besonderen Stern stehen, schliesslich ist es bereits die 60. Ausgabe des bis über die Landesgrenzen hinauf bekannten Laufsport-Events.

«Zumindest in der Laufsportszene in Biel, in der ich mich bewege, ist die Jubiläumsausgabe immer wieder ein Thema. Viele freuen sich schon jetzt darauf», sagt Klotz. Diese Aufbruchstimmung habe er auch beim Erlebnisparcours gespürt. Die Chan- cen stünden gut, dass es im nächsten Jahr eine zweite Auflage von «Night run Biel – day zero» gibt. Dann kann der Organisator auch die zahlreichen Fackeln anzün- den, die den Postenlauf der Bieler Lauftage im Bieler Strandbad hät- ten schmücken sollen. «Unberechenbares Wetter ist Teil des Laufsports. Vielleicht haben wir bei der nächsten Ausgabe das Glück auf unserer Seite», erklärt der mehrfache 100-km-Finisher. Für Klotz, einer der besten Seeländer Ultramarathonläufer, hat die Vorbereitung auf die Königsdisziplin des 100-km-Laufes schon lange begonnen. Im Prin- zip bereitet er sich das ganze Jahr bewusst oder manchmal auch unbewusst auf die «Nacht der Nächte» vor, denn es vergeht kaum ein Tag, an dem der Bieler in der Stadt nicht auf den «Hunderter» angesprochen wird. Noch rund fünf Jahre lang dürfte der 45-Jährige in die Top Ten laufen können, dann habe er wohl definitiv seinen Leistungszenit überschritten. Ob er allerdings noch so lange mit Ambitionen laufen wird, lässt er momentan offen.

Auf die Zeit konzentriert

Einige Male hat er noch die Möglichkeit, ein gutes Resultat zu laufen. «Mein Fokus ist aber nicht auf den Rang, sondern auf die Zeit gerichtet. Einmal in rund 7:30 Stunden ins Ziel zu laufen, wäre toll», sagt der Bieler. Sechs seiner Athleten, die er auf die Bieler Lauftage vorbereitet hatte, gingen 2017 an den Start. Wie viele es dieses Mal sein werden, ist noch offen. Gut möglich, dass nach dem Erlebnisparcours einige Teilnehmer nochmals aus erster Hand wissen wollen, weshalb man mindestens einmal im Leben von Biel nach Biel laufen sollte.

Weitere Bilder zum «Night run Biel» unter www.bielertagblatt.ch/galerien

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Mit freundlicher Genehmigung des Verlages W.Gassmann AG